Mathilde Brandis 
Gebärdensprachdolmetscherin

Dolmetschen   Übersetzen / Leichte Sprache   Beratung    
Qualifizierte Inklusionsassistenz / Kommunikation       

FAQ

Ist die Deutsche Gebärdensprache in Deutschland anerkannt?

In Deutschland ist die Deutsche Gebärdensprache (DGS) gesetzlich im Bundesgleichstellungsgesetz seit 2002 verankert. "Die Deutsche Gebärdensprache ist als eigenständige Sprache anerkannt."  Sie ist durch die Gebärdensprachbewegung entstanden. Das Institut der Gebärdensprachforschung der Universität Hamburg hat 1987 durch wissenschaftliche Forschungsarbeiten belegen können, dass die DGS eine eigenständige Sprache ist. Dadurch konnte die DGS im deutschen Recht 2002 verfestigt werden. 


Gibt es auf der Welt nur eine internationale Gebärdensprache?
Nein, alle gebärdenden Menschen der Welt verwenden nicht dieselbe Gebärdensprache. Wie es in der gesprochenen Sprache in vielen Regionen und Nationen Unterschiede gibt, so gibt es diese auch in der Gebärdensprache: In England gebärdet man British Sign Language (BSL) und in Amerika die American Sign Language (ASL). 
Und doch können sich deutsche Hörgeschädigte mit zum Beispiel Hörgeschädigten aus Asien gut verständigen. Sie verwenden dazu "International Signs". Dies ist aber keine eigene Sprache, sondern der Austausch erfolgt überwiegend über Wiederholungen, Umschreibungen des Sachverhaltes oder Landesgebärden, die übernommen werden. Aus diesem Grund muss man, will man sich in "International Signs" unterhalten, mehr Zeit für die Konversation einkalkulieren.

Gibt es in der Gebärdensprache auch unterschiedliche Dialekte?
Ja. Genauso wie sich die einzelnen Länder voneinander in vielerlei Hinsicht unterscheiden, so differieren sich auch ihre Regionen. Die Verschiedenartigkeit spiegelt sich nicht nur in der Laut- sondern auch in der Gebärdensprache und ihren dialektalen Varianten wider. So werden in Bayern die Wochentage anders gebärdet als im Ruhrgebiet.


Kann man mit Gebärdensprache alles ausdrücken?

Ja. Gebärdensprache ist zwar rein visuell, jedoch keine Pantomime. Die Gebärdensprache hat eine vollständige Grammatikstruktur und konventionelle Zeichen - es wird nicht nachgeahmt, sondern es existieren feste Gebärden, die nach festgesetzten Regeln zu einem Satz aneinandergefügt werden. Die Gebärdensprache beinhaltet außerdem Mimik und Gestik, Handform, Bewegung und Ausführungsstelle in ihrer Grammatikstruktur. Die Gebärdensprache ist somit vierdimensional (inklusive Zeiten). Es wurde erst spät erkannt, dass die Gebärdensprache ein vollwertige Sprache ist, sodass die Gebärdensprache in Deutschland erst 2002 mit Inkrafttreten des Behindertengleichstellungsgesetzes anerkannt wurde, obwohl die Gebärdensprachforschung schon 1960 in den USA begonnen hatte.


Hat die Gebärdensprache eine eigene Grammatik?
Ja. Die Möglichkeit, mit dem Sehsinn mehrere Informationen gleichzeitig wahrnehmen zu können, setzt voraus, dass sich in der Gebärdensprache auch eine visuelle Grammatik entwickelt hat. Die gesprochene Sprache ist linear und die einzelnen Wörter können nur nacheinander gesprochen werden. In der simultanen Gebärdensprache können mehrere Inhalte gleichzeitig dargestellt werden. Oft steckt bereits ein ganzer Satz in einer einzigen Gebärde. Eine Gebärde setzt sich in allen Gebärdensprachen aus vier Parametern zusammen: Handstellung, Handform, Ausführungsstelle und Bewegungsart und -richtung.


Was ist der Unterschied zwischen DGS und LBG?

Während die Deutsche Gebärdensprache (DGS) mit eigener Grammatik eine vollwertige Sprache ist, wird bei Lautsprachbegleitenden Gebärden (LBG) Wort für Wort mit entsprechenden Gebärden begleitet. Das geschieht mit dem Ziel der besseren Sichtbarmachung von gesprochener Sprache. LBG orientiert sich an der Grammatik der Deutschen Lautsprache. LBG bietet meist ertaubten und schwerhörigen Menschen eine gute Absehhilfe, weil das Ablesen vom Mund erleichtert wird.


Ist es schwer, Gebärdensprache zu lernen?

Das Erlernen der Gebärdensprache ist ebenso schwer oder einfach wie das Erlernen einer anderen Fremdsprache. Die einzigen Hürden für gut hörende Menschen sind die grammatikalisch relevanten Ausdrucksmittel wie Mimik und Mundgestik und die Fingerfertigkeit. Diese sind für eine visuelle Sprache unabdingbar und für gut hörende Menschen oft befremdlich.